Kauf und Verkauf der Zahnarztpraxis

Seit einigen Jahren dürfen Ü-BAG und Z-MVZ gegründet werden. Zahnärzte dürfen mehrere Zahnärzte anstellen. Dadurch sind größere Unternehmenseinheiten auf dem Zahnarztmarkt entstanden, die Skaleneffekte ermöglichen. Für den einzelnen, existenzgründenden Zahnarzt führt diese Entwicklung zu stärkerem Wettbewerbsdruck. Zudem steigen die Kosten im Praxisbetrieb, z.B. für moderne Praxisgeräte, ständig. Eine Kompensation beim Zahnarzthonorar gibt es nicht. Die Vergütungen für Zahnärzte wurden – nachdem zuvor 24 Jahre keine Anpassung erfolgt war – bei der letzten GOZ- Novelle in 2012 nur um ca. 6 % angehoben.

Im Ergebnis stellt die Neugründung einer Einzelpraxis viele Zahnärzte vor zu große unternehmerische Herausforderungen. Lediglich ca. 5 % der niederlassungswilligen Zahnärzte gründen eine neue Praxis. 95 % der Existenzgründer nutzen bestehende Praxisstrukturen – entweder durch Übernahme einer Einzelpraxis oder Beteiligung an einer zahnärztlichen BAG/Gesellschaft. Zudem gibt es durch den demografischen Wandel am Markt genügend veräußerungswillige Praxisinhaber. Die Veräußerung einer Zahnarztpraxis gewinnt daher an Bedeutung.

Der Kauf einer Praxis ist rechtlich anspruchsvoll. Wenn z.B. die Zahnarztpraxis das komplette Vermögen des Verkäufers darstellt und er keinen Ehevertrag mit seinem Ehegatten vereinbart hat (Güterstand der Zugewinngemeinschaft), muss seine Ehefrau den Kaufvertrag mit unterschreiben –  unabhängig davon, ob sie an der Zahnarztpraxis beteiligt oder dort tätig ist, § 1365 BGB. Ebenso muss geklärt werden, was bei Berufsunfähigkeit, Tod oder Behandlungsfehlern eines Vertragspartners gelten soll. Die Zahlungsmodalitäten müssen festgelegt werden, insbesondere, ob durch den Käufer Sicherheiten (z.B. eine Bankbürgschaft) gestellt werden müssen.

Es ist ratsam, dass Praxiskäufer und -verkäufer übergangsweise gemeinsam in der Praxis arbeiten. Damit kann der Käufer die gekaufte Praxis kennenlernen und Patienten an sich binden. Üblicherweise werden dafür zwei Arbeitsverträge vereinbart. Bis zum Stichtag der Praxisübernahme wird der Praxiskäufer (z.B. sechs Monate) beim Praxisverkäufer angestellt und danach umgekehrt.

All dies zeigt: Beim Praxiskaufvertrag wird ein komplexes Konglomerat verkauft, bei dem Vieles zu bedenken und zu besprechen ist. Die Zahnarztpraxis setzt sich aus verschiedenen einzelnen Vermögensgegenständen und Rechtsverhältnissen (z.B. die vertragsärztliche Zulassung) zusammen, die alle berücksichtigt werden müssen.

 

 

 

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