Wie Sie sich als Arzt oder Zahnarzt gegen unliebsame Bewertungen im Internet wehren können.

Auch Sie sind sicherlich schon einmal mit einem Online-Bewertungsportal in Berührung gekommen. Mittlerweile lässt sich hier grundsätzlich alles bewerten, seien dies Restaurants, Arbeitgeber oder gar Professoren.
Eine Plattform ist dabei im Laufe der letzten Jahre ganz besonders in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt: jameda.de. Die Plattform zur Bewertung von Ärzten genießt schon lange eine sehr hohe Beliebtheit und es wird wohl kaum jemand geben, welcher bei der Suche nach einem neuen Arzt nicht auf die Bewertungen der Seite zurückgreift.

Während diese Bandbreite an Informationen grundsätzlich wünschenswert ist, hat das Bewertungsportal definitiv auch seine Schattenseiten. Durch die Zulässigkeit anonymer Bewertungen und einer fehlenden Prüfpflicht des Seitenbetreibers sind Tür und Tor für Missbrauch geöffnet.
Für viele Zahnärzte und Ärzte stellt sich hier die Frage, ob der jeweils betroffene Arzt oder Zahnarzt Möglichkeiten hat gegen unliebsame Bewertungen vorzugehen. Dies muss mit einem klaren Ja beantwortet werden. Wie die Praxis zeigt, sehen die Chancen oft gut aus, wenn entweder eine sog. Schmähkritik vorliegt oder der Arzt nachweisen kann, dass durch ein Bewertungsportal falsche Tatsachen verbreitet werden:
– Schmähkritiken sind Meinungsäußerungen, die primär nur dazu dienen, den Arzt oder Zahnarzt zu diffamieren und keine sachliche Auseinandersetzung beispielsweise über eine Behandlungsmethode bezwecken wollen. Ein Beispiel für eine Schmähkritik wäre es deshalb, den Arzt pauschal als „Kurpfuscher“ zu bezeichnen bzw. ihn zu beleidigen. Davon zu unterscheiden sind bloße Werturteile, gegen die auch dann nicht vorgegangen werden kann, wenn sie extrem überspitzte und polemische Äußerungen enthalten. Die juristische Unterscheidung ist schwierig und eine Frage des Einzelfalles. Nur beispielhaft seien folgende, von der Rechtsprechung als zulässig angesehene Werturteile aufgelistet:

•„Eine solche Behandlung schadet und gefährdet nicht nur den einzelnen, das Vertrauen in den Berufsstand der gesamten Ärzteschaft wird untergraben.“ (OLG Frankfurt, Beschluss vom 18. Juni 2015, Az.: 16 W 29/15).
•„Sollten Sie wirklich krank sein, rate ich Ihnen, sich einen richtigen Arzt zu suchen.“ (LG Köln, Urteil vom 18. Juli 2012, Az.: 28 O 89/12)
•„Möge der Allmächtige mich, meine Freunde und meine Feinde von solch einem ‚Arzt‘ fernhalten […].“ (OLG Düsseldorf, Urteil vom 18. Dezember 2015, Az.: I-16 U 2/15).

–Tatsachenbehauptungen sind von Meinungsäußerungen abzugrenzen. Während Tatsachenbehauptungen sich immer auf objektive Umstände in der Wirklichkeit beziehen und damit dem Beweis vor Gericht zugänglich sind, charakterisiert man die Meinungsäußerung durch Elemente der Stellungnahme, des Dafürhaltens und des Meinens. Sollte eine falsche Tatsachenbehauptung vorliegen können, liegt das Hauptaugenmerk darauf, die richtigen Tatsachen darzulegen. Eine unwahre Tatsachenbehauptung liegt beispielsweise schon dann vor, wenn bereits kein Behandlungskontakt mit dem Einsteller der Bewertung vorlag. Auch verstößt gegen die Wahrheitspflicht, wer über diverse Elemente der Behandlung von der Aufklärung bis zur letztlichen Behandlung falsch berichtet. Wichtig ist hier, dass seitens des Arztes ein gegenteiliger Beweis angetreten werden muss.
Sollten weder Schmähkritik noch falsche Tatsachenbehauptung vorliegen, wird es schwer für den Arzt oder Zahnarzt, gegen eine missliebige Bewertung in einem Portal vorzugehen. In einem aktuellen Urteil des BGH vom 20.02.2018 (VI ZR 30/17) hat eine Ärztin zwar erfolgreich das Geschäftsmodell von jameda angegriffen. Das oberste Bundesgericht entschied im Sinne einer Hautärztin, welche ihr Bewertungsprofil gelöscht haben wollte. In diesem Fall wurde für zahlende Ärzte ein Premium-Paket angeboten, wodurch die Profile nichtzahlender Ärzte als Werbeplattform für die Konkurrenz genutzt wurden. So waren auf deren Profil letztlich als „Anzeige“ gekennzeichnet die Profilbilder der Konkurrenz gleicher Fachrichtung in unmittelbarer Umgebung mit Entfernungsangaben und Noten eingeblendet worden. Umgekehrt fand dies nicht statt. Damit war keine neutrale Informationsvermittlung durch die Plattform mehr gegeben, was dem erheblichen Interesse der Öffentlichkeit an der Informationsgewinnung zum Gesundheitssektor entgegengehalten werden konnte. Dieses Geschäftsmodell wurde daraufhin von jameda unverzüglich rückgängig gemacht, sodass es hier keinen Angriffspunkt mehr gibt.

Wenn Sie gegen eine Schmähkritik oder eine falsche Tatsachenbehauptung eines Patienten vorgehen wollen, wenden Sie sich gerne an uns. Aufgrund unserer Erfahrungswerte stehen wir Ihnen in diesen Fällen gerne tatkräftig zur Seite.

Wie Sie sich als Arzt oder Zahnarzt gegen unliebsame Bewertungen im Internet wehren können.