Hohlkehlpräparation

Urteil des OLG Karlsruhe: Muss der Zahnarzt seinen Patienten darüber aufklären, ob er eine Stufenpräparation oder eine Hohlkehlpräparation der Pfeilerzähne vornimmt und hat er ein Nachbesserungsrecht, wenn die Prothese zu fest sitzt?

In einem vom OLG Karlsruhe entschiedenem Fall vertrat eine Patientin die Ansicht, dass sie im Wege der Patientenaufklärung über die Stufenpräparation besser hätte aufgeklärt werden müssen. Da dies unterblieben sei, hätte sie keine wirksame Einwilligung erteilt. Daher sei ihr Schmerzensgeld zu zahlen. Zudem weise die Unterkieferprothese eine zu hohe Haftkraft auf, so dass sie auch die Behandlungskosten für den Zahnarzt nicht zahlen wollte. Insgesamt verlangt die Klägerin vom Zahnarzt über 20.000 €. In erster Instanz konnte die Patientin sich damit beim Landgericht (LG) sogar durchsetzen.

Schlussendlich hat das OLG doch dem Zahnarzt Recht gegeben.

Juristisch spannend war insbesondere die Frage, ob der behandelnde Zahnarzt den Patienten über den Richtungsstreit zwischen Hohlkehl- und Stufenpräparation aufklären muss. Die Vorinstanz (LG) hatte das bejaht. Das OLG als Berufungsinstanz hat es abgelehnt. Der hinzu gezogene Gutachter würde zwar selbst die Hohlkehlpräparation bevorzugen. Der Gutachter habe aber festgestellt, dass es keine evidenzbasierte Studie dafür gebe, dass die Stufenpräparation ein höheres Risiko für ein Brechen der Pfeilerzähne in sich berge. In der Zahnmedizin gäbe es einen Richtungsstreit. An den Universitäten in Freiburg, Aachen, Hamburg und Kiel würde beim Abschleifen der Pfeilerzähne die Stufenpräparation bevorzugt, an vielen anderen Fakultäten würde dagegen die Hohlkehlpräparation gelehrt. Wie die Pfeilerzähne zu präparieren sind, sei ein technisches Detail, über welches der Zahnarzt den Patienten nicht aufklären müsse. Vielmehr dürfe der Zahnarzt unterstellen, dass der Patient nach erfolgter Aufklärung bei der Wahl der Behandlungsmethode seiner ärztlichen Entscheidung vertraue. Eine eingehende Information des Patienten über medizinische Fragen sei für eine Aufklärung nicht erforderlich.

Seit der Eingliederung des Zahnersatzes waren bis zur Verkündung der Entscheidung des OLG rund 8 Jahres verstrichen, in denen die Patientin die Prothese getragen hatte. Dennoch wendete sie weiter ein, dass die Haftkraft der eingesetzten Unterkieferprothese zu hoch sei. Das OLG orientierte sich an der bestehenden Rechtsprechung und führte aus, dass es auch bei ordnungsgemäßem und sorgfältigem Vorgehen eines Zahnarztes dazu kommen könne, dass die Haftkraft einer Prothese zu hoch sei. Dann müsse dem Zahnarzt die Möglichkeit gegeben werden, Korrekturen durchzuführen. Der Zahnarzt müsse in solchen Fällen vorsichtig Material der Prothese entfernen, da das Risiko besteht, dass die Prothese nicht mehr halte, wenn man zu viel Material wegnimmt. Der zu feste Sitz einer Prothese sei zwar ein Mangel, aber eben kein Behandlungsfehler. Der Zahnarzt habe bei solchen Mängeln grundsätzlich ein Nachbesserungsrecht.

Zwar hat die Patientin behauptet, dass der Zahnarzt sie „herablassend“ behandelt habe, aber sie konnte nicht näher darlegen, auf welches Verhalten des Zahnarztes diese Bewertung zurückzuführen war. Da die Patientin insofern beweisfällig geblieben ist, ging das OLG davon aus, dass kein vertragswidriges Verhalten des Zahnarztes vorlag mit der Folge, dass das zahnärztliche Honorar nicht zurückgefordert werden konnte.

Fazit:  Der Zahnarzt hat zwar eine obligatorische Haftpflichtversicherung. Sein  Zahnarzthonorar und die insoweit entstehenden hohen Rechtsverfolgungskosten sind dort aber nicht versichert. Zeit und Nerven kostet so ein Verfahren auch. Gut, wenn man wie der Zahnarzt in diesem Fall anwaltlich hervorragend vertreten wird und eine solche Fehlentscheidung in der zweiten Instanz vom Oberlandesgericht (OLG) aufgehoben werden kann. Wir, die Anwälte für Mediziner, helfen Ihnen sehr gerne dabei.   Rufen Sie uns einfach an unter 0711- 770557- 276.

 

Klemens Werner