CMD-Screening vor der Eingliederung von Zahnersatz gehört zum zahnärztlichen Standard

Craniomandibuläre Dysfunktionen (CMD) können durch Schmerzen auffallen, können sich aber auch durch Funktionseinschränkungen unterschiedlicher Intensität äußern. Diese Funktionseinschränkungen werden durch Patienten nicht notwendigerweise erwähnt, was jedoch im weiteren Behandlungsverlauf bei der Eingliederung von Zahnersatz höchst problematisch werden kann.

Bei einem durch das Oberlandesgericht München entschiedenen Fall (Urteil vom 18.01.2017, Az. 3 U 5039/13) war es so, dass bei einem Patienten auf Grund einer Brückenversorgung eine bis dahin kompensierte CMD aufgetreten ist. Das OLG München hat – sachverständig beraten – entschieden, dass vor der Eingliederung von Zahnersatz das sog. CMD-Screening ärztlicher Standard ist. Geschieht dies nicht und wird eine CMD nicht erkannt, liegt ein Befunderhebungsfehler vor.

Der Sachverständige hat zu dieser Fragestellung ausgeführt, dass mit einem ordnungsgemäßen Screening überprüft wird, ob die Mundöffnung asymmetrisch bzw. eingeschränkt ist, ob es Kiefergelenkgeräusche gibt, ob die Muskulatur tastempfindlich ist und ob die Seitwärtsbewegung des Kiefergelenks traumatisch ist. Bei zwei oder mehr positiven Befunden sei vom Vorliegen einer CMD auszugehen, was vor Einleitung der Behandlung eine differenzierte Funktionsanalyse erforderlich mache.

Was sollten Sie als Zahnarzt somit zukünftig beachten?

1. Grundsätzlich soll – sobald die Eingliederung von Zahnersatz geplant wird – das CMD- Screening erfolgen.

2. Dies sollte – gerade auch bei ergebnislosen Befunden – zu Ihrer Absicherung unbedingt dokumentiert werden. Anderenfalls kann es Ihnen wie dem beklagten Zahnarzt in dem Rechtsstreit vor dem OLG München gehen, in dem das Gericht davon ausging, dass mangels Dokumentation das Screening auch nicht erbracht worden sei.

3. Da das Screening zum fachlichen Standard gehört, muss diese Leistung unabhängig vom versicherungsrechtlichen Status Ihrer Patienten erbracht werden, d.h. sowohl bei gesetzlich als auch privatversicherten Patienten. Hiervon entbindet Sie auch nicht der Umstand, dass das Screening in der vertragszahnärztlichen Versorgung nicht vergütet wird, die Leistung muss nach entsprechender Kostenaufklärung privat über die GOZ abgerechnet werden.

Das CMD-Screening ist in der GOZ 2012 nicht beschrieben, obwohl 2012 für den Bereich der Parodontaltherapie eine solche Screeningmethode mittels des Periodontal Screening-Index aufgenommen wurde.

Die Berechnung des CMD-Screenings ist weder über die GOZ-Nr. 0010 noch über die GOZ-Nr. 8000 (Klinische Funktionsanalyse), sondern über das Analogieverfahren nach § 6 Abs. 1 GOZ vorzunehmen, wobei der tatsächlich gegebene Aufwand insbesondere dem im individuellen Fall als notwendig erachteten, jeweils durchgeführten und dokumentierten Umfang des CMD-Screenings unterliegt. Eine Orientierung an der Bewertungsrelation zwischen der GOZ-Nrn. 4000 und 4005 erscheint z. B. naheliegend, so Liebold / Raff / Wissing, Kommentar BEMA und GOZ, 120. Lieferung, Stand November 2018.

Die Bundeszahnärztekammer hat das CMD-Screening in den Katalog selbstständiger zahnärztlicher gemäß § 6 Abs. 1 GOZ analog zu berechnender Leistungen (Stand November 2018) aufgenommen.